
Bei einem Orgelbauer habe ich einmal einen Kurs in Zungenbau mitgemacht und vier Vox Humana-Pfeifen in einem bewährten Stil gebaut, also jeweils vier Kehlen, Zungen, Köpfe, Stiefel und Becher hergestellt. Jeder Becher musste aus mehreren Teilen zusammengelötet werden, was zeitaufwendig war. Da der Klang in hohem Maße von der Becherform beeinflusst wird, ist eine zu komplizierte Form nicht zweckmäßig zum Experimentieren. Nachdem ich verschiedene Bauformen ausprobiert hatte, war mir schnell klar, dass zylindrische Resonatoren mit einem Außendurchmesser von 12 mm und einer Länge von 20 bis 30 cm in der kleinen Oktave den Klang erzeugten, den ich mir vorstellte. Dieser Klang war Dulzianartig, aber immer noch nicht ganz das, was ich hören wollte. Ein kleiner, etwas größerer Abschlußzylinder am Rohrende erbrachte schließlich den Klang, den ich mir vorstellte. Das weitere Experimentieren mit den Abmessungen der Zylinder lehrte mich, dass die Länge dieser zylindrischen Aufsätze unveränderlich für alle Tonhöhen sein sollte. So wurde bei allen Pfeifen eine Länge von 50 mm als richtig befunden, der Durchmesser durfte (sollte) variieren zwischen 35 und 15 mm.





Über zwei Jahre verteilt habe ich mehr als 100 Zungenpfeifen gebaut. Das erste Problem ist die Art und Weise wie man die Zunge aus dem Platte schnitten sollte. Die Geschichte die erzählt werden über alles was beim Bearbeiten der Zungen schiefgehen könnte, haben viele Amateurbauer entmutigt. Zungen, Kehlen und Stimmkrücke haben sie von einem Zulieferbetrieb bezogen. Diese Teile können aber von jedem Orgelbauer auch leicht selber hergestellt werden. Das Problem war meistens die Behandlung der Zungenblätter, wie können Zungenblätter geschnitten, dünner gemacht und aufgeworfen werden?
Einmal wollte ich eine Zunge etwas dünner haben. Ich habe sie auf einen rauen Untergrund gelegt, z.B. auf ein Schleifbrett aus Holz. Viele solcher Holzbretter habe ich in der Werkstatt für das Ebnen von Holzpfeifen, bevor das Deckbrett aufgeleimt wird. Ich habe dann versucht, mit Schleifband von der Dicke des Zungenblatts etwas abzunehmen. Dazu habe ich Streifen eines Schleifbands auf schmale Leisten geklebt und damit geschliffen. Leider ist das Material viel zu hart, so dass das Mikrometer auch nach längerem Schleifen kein dünneres Blatt gemessen hat. Was ich aber doch erreicht hatte, war ein tadellos flaches Blatt, glänzend und ohne jeden Grat, also das ideale Blatt, fertig zum Aufwerfen.

Es gibt auch Zungen mit kurzen, nicht auf dem Ton gestimmten Bechern: Das Regal. Der Klang differiert stark von den Zungen einer Kirchenorgel und ich hatte dafür kein Interesse. Es ist meine ganz persönliche Vorliebe; viele Organisten spielen diese mit großer Freude.

Diese Methode der Zungenbehandlung hat sich bei mir bewährt. Eine Zunge wird immer gut, wenn sie auf diese Art und Weise vorher flach gemacht worden ist. Ich habe erfahren, dass die Bearbeitung der Zungen eine leichte, zufriedenstellende Arbeit ist und keine wirklichen Probleme hervorruft. Des Weiteren habe ich gelernt, dass der Klang weitgehend von den Resonanzkörpern abhängt und nur in geringerem Maße von den Zungen. Die Zungen von Regalen mit kleinen Bechern verhalten sich anders als Zungen von Trompeten, Fagotten und Oboen mit ihren langen abgestimmten Bechern.
Wenn die Zunge zu dick ist, lässt sie sich nicht mit Schleifen dünner machen. Es geht aber sehr gut mit einem Farbkratzer, wie ich ihn immer benutze beim Dünnerschaben von Orgelblech für Labialpfeifen. Wenn die Kanten dieses Farbschabers scharf geschliffen sind, kann er gut Messing und Phosphorbronze abnehmen.
Dazu wird das Zungenmaterial auf der Werkbank festgespannt, auf einer Unterlage von Orgelmetall. Dann wird Material gleichmäßig mit dem Farbkratzer abgenommen, viele Striche nebeneinander. Auf dem Foto ist zu sehen, dass die Materialstärke von 0,20 mm bis 0,15 mm abgetragen wurde. Durch das Dünnerschaben wird die Zunge stark gebogen, sie könnte gewendet und auch von der anderen Seite behandelt werden, aber das ist nicht notwendig. Wenn die gewünschte Dicke erreicht ist, wird die Zunge, wie oben beschrieben, geschliffen und ist hernach tadellos flach und bereit zum Aufwerfen.
Viele Kehlen habe ich schon hergestellt, entweder aus Holz oder aus Messing. Holzkehlen lassen sich am besten mit einer (Metall)Drehbank herstellen. Für Metallkehlen habe ich Messingrohr verwendet. In einen Holzblock geklemmt, können die Rohrstücke auf einer Bandschleifmaschine geschliffen werden bis sie etwas weniger als halbiert sind, ungefähr 190 Grad sollten übrig bleiben. Sägen mit einer Kreis- oder Bandsäge geht auch. Das Rohrende muss dann unter ungefähr 45 Grad schräg gesägt (oder geschliffen) werden und mit einer Messingplatte zugelötet werden. Ein eingesteckter Metallstab (passender Bohrer) ermöglicht die Fixierung und verhütet das Verbiegen beim Löten. Die Bilder zeigen die einzelnen Schritte.
Große Klangunterschiede waren nicht festzustellen zwischen (Hart)Holzkehlen und Messingkehlen. Dies ist ganz anders als bei den Zungenregistern der Kirchenorgeln mit abgestimmten Bechern.

Die runden Nüsse oder Köpfe aus Hartholz habe ich auf der Drehbank hergestellt, weswegen auch die Stiefel rund sein müssen. Das Material für die Stiefel war 0,7 mm starkes Orgelmetall. Die Herstellung ist sehr einfach und wurde im letzten Heft beschrieben. Rechteckige Nüsse sind auch möglich, dann müssen auch die Stiefel rechteckig sein.



