Gegenüber einer Kirchenorgel hat eine Hausorgel kurze Verbindungen zwischen Tasten und Ventile. in der Praxis ist das nicht immer ein Vorteil, weil hier wenig Raum für eine gute Traktur verfügbar ist. Eine zweiarmige Klaviatur ist nicht ideal für ein nuanciertes Spiel. Der Drehpunkt liegt kurz hinter die Stelle wo die Taste berührt wird und das Anstoßen des Hebels bildet eine Erschwernis. Es gibt noch einen Unterschied.
In den Windladen der Kirchenorgeln sind die Ventile groß und ist der Winddruck hoch. Nicht nur eine Feder, aber auch der Winddruck hält das Ventil geschlossen. Beim Öffnen des Ventils gegen den Winddruck erfindet der Organist davon den Widerstand. Dieser verschwindet sobald der Wind über das geöffnete Ventil in der Kanzelle strömt. Beim Spielen ist diesen Druckpunkt gut spürbar und damit ist der Moment vom Klingen genau zu bestimmen. Ein Organist möchte seine Hausorgel auf derselben Art und Weise spielen, aber wegen der kleinen Ventile und die viel geringeren Winddruck tritt diesen Druckpunkteffekt nicht ein. Wenn es Hebel zwischen Tasten und Ventile befinden, könnte der Orgelbauer ein wenig freien Raum zwischen Tastenbewegung und Moment von Reagieren der Ventile lassen. Es scheint dann einen Druckpunkt zu sein, aber der Effekt ist anders als bei einer Kirchenorgel und was schlimmer ist, es erschwert eine verfeinerte Artikulation beim Spielen.




Wellenbrett für ein Orgelpositiv
aus dem Buch: Bau eines Orgelpositivs
Welche Anforderungen stellt man einer idealen Traktur? Ein Organist spielt die Orgel über den Tasten. Faktisch ist die Klaviatur ein Zwischenglied, da die wirkliche Bespielung statt findet wegen das Öffnen eines Ventils in der Windlade. Der Wind strömt dann in der Pfeife und diese fängt an seinen Ton auf zu bauen. Der richtige Moment dafür wird vom Organist bestimmt, wie auch die Weise von Tonaufbau. Legato, non legato oder staccato, jeder Gradunterschied in seinem Spiel beeinflusst die Art des Tonaufbaus. Es kann nur geschehen wenn die Ventile sofort und adäquat reagieren auf der Tastenbewegung. Eine Grundbedingung dafür ist eine unkomplizierte und ohne Verzögerung funktionierende Verbindung zwischen Taste und Ventil. Eine direkte Traktur - so heißt die Verbindung zwischen Klaviatur und Windlade - ist hier ideal. Der Zugdraht geht dann unmittelbar von Taste zum Ventil und öffnet auf der Art und Weise wie der Organist will. In der Praxis ist diese Konstruktion nur möglich wenn Breite der Windlade und Breite der Klaviatur übereinstimmen. Jeder Taste befindet sich dann gerade unter dem dazugehörigen Ventil. Üblicherweise gibt es aber einen großen Breitenunterschied. Das Foto zeigt ein Unterschied, dass nicht halb so schlimm scheint zu sein, aber das ist Verformung; die Breite über den Kanzellen ist 89 cm, wohingegen die Breite über den Tasten 75 cm betragt. Es gibt mehrere Methoden dieses Unterschieds zu überbrücken. Eine davon ist beschrieben in meinem Buch Hausorgelbau in Bildern. Hier ist eine zweiarmige Taste verwendet; die Tasten kentern in der Mitte auf einem Drehpunkt. Das hintere Ende kommt hoch, wenn die Taste an der Vorderseite herunter geht. Der hochgehende Teil drängt gegen einen Hebel, dieser kentert entgegengesetzt dem anderen Ende nach unten. Ein Zugdraht verbindet die Hebel mit dem Ventil und zieht diese offen. Wegen der schrägen Aufstellung der Hebel unter der Windlade ist das Breiteunterschied zwischen Klaviatur und die Angreiffpunkte der Windlade ausgeglichen. Die Hinterteile der Hebel liegen gerade über die Hinterteile der Tasten und - verbreitet nach vorne liegend - befinden sich die Vorderseiten sich gerade unter die Ventile.
Wellenbrett
Bei Kirchenorgeln ist der Windlade beachtlich breiter als die Klaviatur. Der Unterschied wird hier ausgeglichen mit einem Wellenbrett. Das ist ein System, dass in Jahrhunderten nahezu unverändert ist geblieben. Es wird nicht allein in Kirchenorgeln angewandt, doch auch in Hausorgeln. Wellen sind waagerecht aufgestellt Achsen; an linke und rechte Seite sind rechtwinklig auf diesen Achsen die Wellenarmen angebracht. An dem linke Arm geht einen Zugdraht hoch zum Ventil, der rechte Arm ist nach unter mit der Taste verbunden, umgekehrt ist auch möglich. Wenn die Verbindungen gut angebracht sind, hat das System alle Vorteile einer direkten Traktur. Die Taste und die Traktur hangen am Ventil, es ist eine hangende Traktur, was am Organist die beste Möglichkeit einer deutlichen Artikulation bietet. Der Tastenarm kann lang sein, sodass der Kipppunkt weit entfernt liegt. Diese einarmige Klaviatur ergibt eine angenehme und präzise Spielart. Da die Stelle der Pfeifen auf der Windlade unabhängig von der Reihenfolge der Tasten bringt ein extra Vorteil. Wer es wünscht kann seine Basspfeifen an beiden Seiten der Windlade aufstellen. In meinem Opus 10 sind die Basspfeifen in der Mitte der Lade gestellt, sodass die kleinste Pfeifen sowohl im Bassbereich als in der Diskant sich an beiden Seiten befinden. Deswegen sind beim Stimmen alle Pfeifen leicht von den Außenseiten zu erreichen. Nachteil eines Wellenbretts ist die nicht geringe Höhe, häufig 30 bis 40 cm. Die Windlade muss dann höher gestellt werden und das beschränkt die maximale Pfeifenhöhe auf der Lade oder das Gehäuse wird zu hoch. Für die Achtfußpfeifen in der Großoktave ist es kein Problem, diesen werden irgendwo hingestellt und über Kondukten mit der Lade verbunden. Doch die anderen Pfeifen sprechenbesser wenn sie auf der Windlade stehen können.
Die genaue Länge des Drahts wird ungefähr eingestellt oder mit Drahtverbindungen von Laukhuff auf der richtigen Länge gebracht. Drahtverbindungen sehen aus wie Lüsterklemme, aber verwechseln sie nicht; die Qualität ist nicht ähnlich. Der Zugdraht an anderen Arm geht nach unten durch eine Bohrung im Tastenarm, ungefähr 18 bis 20 cm ab Tastenvorderseite. Der Drahtdiameter ist 1,2 mm und die Bohrung 2 mm. An der Tastenunterseite kann mit Laukhuff Gewindeklemm 1 101 06 genau eingestellt werden.
Wegen der Verschwindung der Einstellmöglichkeiten auf den Wellenarmen könnte das Wellenbrett kompakt gebaut werden. Den etwas groben Bau von Wellenbrettern der Kirchenorgeln ist hier ersetzt durch Feinmechanik. In einer Hausorgel gibt es keinen großen Kräften. Die Wellen sind aus 5 mm Messing, die Wellenarmen aus 3 mm Messing. Für wen genau arbeitet ist es kein Problem eine 3 mm Bohrung in der Mitte einer 5 mm Wellenachse zu bohren. Die 5 mm Wellen habe ich am Ende bis 3 mm abgedreht. Wer keiner Drehbank besitzt kann es in Auftrag geben. Die Lagerblockchen sind aus Ahorn oder Birne, doch absolut nicht aus Eiche. Die Gerbsäure hat eine vernichtende Wirkung auf Messing. Wegen der geringen Bewegung in den Holzblock gibt es kaum Verschleiß. Die Bohrungen braucht man nicht mit Kasimirtuch zu füttern, die Achsen drehen leicht und geräuschlos in den Blocken. Die Abmessungen sind 10 mm hoch, 8 mm breit und mit einer 16 mm Länge gibt es Platz für eine Schraube. Ich habe es nicht getan, weiße Holzleim, eine gute Verarbeitung vorausgesetzt, hat eine reichende Stärke. Einige verkehrt angebrachte Blocks musste ich entfernen, dann spürt man die Stärke.
So ist ein Wellenbrett 14 cm Höhe gebaut. Der Abstand zwischen Windlade und Klaviatur ist nur 10 cm mehr als bei der Hausorgel mit zweiarmigen Tasten. Die hangende Traktur mit diesem Wellenbrett bietet ein sehr nuancierter und empfindlicher Anschlag. Der Organist kann die Tonbildung in den Pfeifen genau bestimmen. Natürlich müssen die Pfeifen perfekt intoniert sein; träg oder rauschend ansprechende Pfeifen werden mit diesem Wellenbrett nicht besser klingen. Der Vorläufertöne (Spuck) der guten Pfeifen sind mit dieser Spielart doch oder in geringere Maße hörbar.

Das Wellenbrett ist auf 12 mm Multiplex gebaut und an der Windlade montiert. Die Breite ist den Raum zwischen die Windladeträger abhängig (bei Opus 11 ist sie 89 cm) die Höhe ist 14 cm. Die Skizze zeigt einen Teil des Wellenbretts mit der Verteilung der Wellen. Der Abstand zwischen den Zugdrahten nach oben ist die Kanzelteilung ähnlich. Bei der Klaviatur ist der Abstand zwischen den Zugdrahten nach den Tasten gleich bleibend; 13,82 mm ist der Normalabstand.
Das Foto und die Skizze zeigen die Verteilung der Wellen. Wer es möchte nachbauen muss selber die Verteilung zeichnen. Zeichne eine 1:1 Zeichnung der Windlade und bestimme den Platz der Kanzellen. Lege eine Klaviaturzeichnung - auch 1:1 und an der Vorderseite gesehen - unter der Windladezeichnung und betreue, dass die größere Breite der Lade symmetrisch über die breite der Klaviatur verteilt wird. Einer der Tasten erwies sich dann gerade unter die zugehörige Kanzelle zu liegen, bei mir war das f-klein. Hier ist eine Welle überflüssig. Die Wellen an der linken Seite dieser Linie bringen eine Tastebewegung über eine Wellenachse nach einer Kanzelle an der linken Seite der Windlade, das Übriges geht nach rechts. Es ist ein erfreuliches Puzzle es so günstig möglich zu verteilen.
Die Maßeinteilung dieser so entstandenen Zeichnung ist 1:1; also ist die Wellenlänge zwischen die Lagerblocks einfach zu messen. Beidseitig kommt da 5 mm zu plus ein 8 mm Stück zum Abdrehen bis 3 mm Diameter. Bohre 3 mm, beidseitig 5 mm ab dem Block (wo der Diameter noch 5 mm beträgt). Die Wellenarmen haben 34 mm Länge; an einer Seite wird den Arm beidseitig über 10 mm flach geschliffen. Bohre 2 mm in diesem flachen Teil.
Klemme den Wellenachse in einem Schraubstock unter dem Ständerbohrmaschine und verwende einen 3 mm Bohrer, der nur einige mm aus dem Bohrkopf steckt, damit weglaufen verhütet wird. In dieser Bohrung kommt den Wellenarm, sie darf zum Löten nur wenig mm herausragen. Streiche reichlich mit der Stearinkerze über die Teile, damit das Lötzinn gut fließen kann. Fixiere die beide Armen mit einem Draht durch die 2 mm Bohrungen. Benutze einen Lötkolben mit einer zureichende Kapazität (mindestens 100 Watt) und verwende sehr, sehr wenig Lötzinn. Das Drehen der Arme verhüten ist die einzige Funktion. Entferne nach Abkühlung überflüssig Zinn mit einer Feile. Die letzte Bearbeitung ist polieren mit feiner Stahlwolle bis es aussieht wie das Foto zeigt.